Makroaufnahmen

Eine grosse Herausforderung war das Drehen der Makroaufnahmen. Ein spezielles Team wurde zusammengestellt, in einer alten Fabrikanlage mit einem großen Freigelände ein Bienenstudio aufgebaut. An 35 Drehtagen kamen hier insgesamt 15 Bienenvölker zum Einsatz. 105 Stunden Makro-Material war das Ergebnis.

Neu geborene Arbeiterin

Zu den Experten zählte nicht nur der verantwortliche Kameramann Attila Boa, sondern auch ein ‚Bienenflüsterer’. «Man kann den Bienen ja keine Befehle geben», so Imhoof. «Wir haben darum im April/ Mai gedreht, wo vieles bei den Bienen stattfindet, und wir hatten eine lange Liste von Themen, die vorkommen sollten, z.B. Nektarabgabe im Stock, Pollen abstreichen und einlagern, Schwänzeltanz oder Wabenbau und die Geburt einer Königin. Der ‚Bienenflüsterer‘ hat in den verschiedenen Völkern nachgeschaut, wo findet gerade statt, was wir suchen. Wir haben inzwischen in dem Studio alles vorbereitet mit einer leeren Manipulierwabe, mit dem Licht, der Kamera und der ganzen Technik. Dann hat der ‚Bienenflüsterer‘ von draußen die Wabe mit den Bienen gebracht und wir konnten hoffen, dass es jetzt noch einmal passiert. Das hat natürlich wenn man mit 70 Bildern/Sek. filmt, unendlich viel Material verbraucht. Bis man mit dem winzigen Ausschnitt des Endoskops oder eines anderen Makro-Objektives die richtige Biene gefunden hat, geht schon viel Zeit verloren. Manchmal sind dann ganz andere Dinge passiert, als wir erwartet hatten und wir mussten fliegend umstellen. Einiges konnten wir zum Teil ein bisschen provozieren, aber nur sehr beschränkt.»

Ein besonderes Problem war auch die Hitzeentwicklung: «Highspeed braucht ja sehr viel mehr Licht» erklärt Imhoof, «je schneller es geht, umso heller muss es sein und das war natürlich eine Herausforderung, weil wir ja mit Wachs arbeiten und die Bienen durften nicht darunter leiden. Wir haben dann zum Teil draußen gearbeitet und Spiegel eingesetzt, weil die Sonne heller ist als die Scheinwerfer.»

Es mussten technische Probleme gelöst werden, die viele Fragen aufwarfen: «Wir haben lange experimentiert: welche Geschwindigkeit ist am angemessensten?» erläutert Imhoof. «Wir haben herausgefunden, dass mit 70 Bildern/Sek. die Bienen sich ungefähr so schnell bewegen wie Menschen. Der Zuschauer soll nicht das Gefühl haben, dass es sich um Slow Motion handelt. Es soll selbstverständlich sein, dass er den Bienen zusieht und mit 70 Bildern/Sek. sieht man auch, was sie tun. Wenn man sie mit 24 Bildern/Sek. filmt, dann geht das so schnell, das ganze Gekrabbel der kleinen Beine, die Zungen, Fühler und Flügel, dass man Details gar nicht wahrnehmen kann. Alle fliegenden Bienen haben wir mit 300 Bildern/Sek. gefilmt, die Flügelbewegungen  erschienen uns so am natürlichsten– die Flügel bewegen sich mit 280 Schlägen/Sek. Für uns ergeben ja 24 Bilder pro Sekunde ein gleitendes Bild, aber für die Bienen entsteht das erst ab 280 Bildern/Sek., weil jedes einzelne Facettenauge je ein anderes Bild sieht, und das nächste Auge wieder ein anderes Bild und so weiter. Erst mit 280 Bildern pro Sekunde. erleben Bienen eine gleitende Bewegung. Ich habe das erst später erfahren, nach unseren Experimenten mit den Flügeln. Komischerweise waren also unsere 300 Bilder pro Sekunde. die Geschwindigkeit, mit der auch Bienen ihre eigenen Flügelbewegungen ebenfalls als

gleitende Bewegung sehen und nicht mehr als Stroboskopeffekt.»

In Anbetracht dieses Aufwandes war es nicht verwunderlich, dass es am Ende ein zweites Jahr brauchte, in dem man den knappen Zeitraum April/ Mai nutzen musste, um die notwendigen Aufnahmen von den Bienen in all ihrer Vielfalt in den Kasten zu kriegen.

(Interview mit Markus Imhoof, aus dem Presseheft zum Film 2012)

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4 thoughts on “Makroaufnahmen

  1. wunderbarer Film!!! von wem ist die Musik, die in der Video Trailer zw. 1 min und 1min30sek gespielt wird?
    Danke

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